Worum es geht
Die Arbeitsgruppe «Evidenzorientierung in Lehrpersonenbildung und Schule» (AG Evidenzorientierung) der Schweizerischen Gesellschaft für Lehrerinnen- und Lehrerbildung (SGL) fördert den nationalen Austausch darüber, wie die Lehrpersonenbildung, das berufliche Denken und Handeln von Lehrpersonen und die Schulentwicklung noch konsequenter an wissenschaftlichen Erkenntnissen und reflektierten Praxisdaten ausgerichtet werden können. Dabei verstehen wir Evidenzorientierung als Fähigkeit, das eigene Praxis- und Erfahrungswissen, Informationen von Kolleg:innen, Kontextbedingungen etc. mit aktuellen Forschungserkenntnissen oder systematisch ausgewerteten Praxisdaten abzugleichen und so verschiedene Wissensressourcen bzw. Perspektiven in Entscheidungs- und Reflexionsprozesse im beruflichen Kontext einzubeziehen (vgl. Brovelli et al., 2024; Cramer, 2020; Gräsel, 2020). Die AG Evidenzorientierung vereint aktuell rund 20 Mitglieder aus 10 Institutionen (Pädagogische Hochschulen, Universitäten sowie Praxis- und Partnerorganisationen). Neue Mitglieder sind jederzeit willkommen.
Unsere Ziele sind…
- den Diskurs zur Evidenzorientierung in der Lehrpersonenbildung, im Lehrberuf und in der Schulentwicklung zu fördern und zu unterstützen,
- Aktivitäten und Projekte im Themenfeld anzuregen, durchzuführen und sichtbar zu machen,
- Evidenzorientierung als Bestandteil einer professionellen Lehrpersonenbildung, eines professionellen beruflichen Handelns und einer wirksamen Schulentwicklung zu positionieren und
- den Austausch international einzubinden und zu erweitern.
Was wir tun
- Wir vernetzen Forschende, Dozierende, Lehrpersonen, Schulleitungen und weitere Akteur:innen und schaffen Raum für Austausch, Reflexion und Kooperation.
- Wir diskutieren Grundlagen und Kontroversen der Evidenzorientierung (z. B. Evidenzbegriff, Gütekriterien, Transfer und Nutzbarkeit).
- Wir initiieren gemeinsame Formate wie Forschungsupdates, Symposien, Workshops und Beiträge in Fachzeitschriften sowie praxisnahe Transferformate (z. B. Kurz-Reviews).
- Wir stärken Übersetzungs- und Vermittlungsrollen zwischen Forschung und Praxis.
Mitmachen
Die AG steht allen SGL-Mitgliedern und Interessierten offen, die sich für evidenzorientiertes Denken und Handeln in Lehrpersonenbildung und Schule interessieren. Wir freuen uns über neue Perspektiven aus Hochschulen, Schulen, Bildungsverwaltung und Verbänden.
Kontakt
AG-Co-Leitung: Matthias Baumgartner – matthias.baumgartner@phsg.ch
AG-Co-Leitung: Sarah Forster-Heinzer – sarah.forster-heinzer@unifr.ch
Die AG organisiert sich als interkantonales Netzwerk und verbindet drei eng miteinander verschränkte Handlungsfelder: Lehrpersonenbildung, Lehrberuf und Schulentwicklung. Im Zentrum steht die Frage, wie wissenschaftliche Evidenz und die berufliche Erfahrung so zusammengeführt werden können, dass Entscheidungen und Entwicklungsprozesse nachvollziehbar, lernwirksam und kontextsensibel werden (swissuniversities, 2024; Brühwiler et al., 2024).
Arbeitsweise und Formate
Die AG trifft sich mindestens zwei Mal pro Jahr, wobei ein Treffen in Präsenz stattfindet. Ergänzend finden digitale Austauschformate statt (z. B. Forschungsupdates). Die inhaltliche Schwerpunktsetzung wird fortlaufend im Kreis der Mitglieder diskutiert und weiterentwickelt.
Lehrpersonenbildung
Im Handlungsfeld Lehrpersonenbildung geht es darum, evidenzorientiertes Denken und Handeln in der hochschulischen Lehre systematisch zu fördern, was vier Bereiche betrifft: Die Benennung der Inhalte der Lehrpersonenbildung, die Gestaltung wirksamer hochschuldidaktischer Lehr- und Lern-Arrangements, die Evaluation der Lehre sowie die darauf basierende Weiterentwicklung der hochschulischen Curricula. Dabei stehen die folgenden Tätigkeiten im Zentrum:
- Austausch über Modelle und Good Practices evidenzorientierter Hochschullehre und Curriculumentwicklung.
- Diskussion von Wirksamkeits- und Qualitätsfragen (z. B. welche Evidenzen für welche Ausbildungsziele tragfähig sind).
- Sichtbarmachen und Vernetzung von Projekten zur Evidenzorientierung in der Lehrerpersonenbildung.
Lehrberuf
Im Handlungsfeld Lehrberuf fokussieren wir darauf, wie Lehrpersonen wissenschaftliche Erkenntnisse und lokale Daten (z. B. Lernstands-, Beobachtungs- oder Feedbackdaten) für die Verbesserung des eigenen beruflichen Handelns nutzen können – ohne in eine rein technokratische «One-best-way»-Logik zu verfallen. Evidenzorientierung bedeutet hier insbesondere: Forschungsergebnisse verstehen, eigene Daten zu generieren, darauf aufbauend das eigene berufliche Handeln zu reflektieren und zu verbessern (Gräsel, 2020; Locher, 2024). Dabei stehen folgende Tätigkeiten im Zentrum:
- Austausch über Barrieren und Gelingensbedingungen für eine umsetzbare evidenzorientierte Praxis (z. B. evidenzorientierte Praxis unter Berücksichtigung der Bedingungen und Voraussetzungen der Schule).
- Entwicklung und Diskussion von Transferformaten (z. B. Kurz-Reviews, Praxis-Impulse).
- Stärkung von Vermittlungsrollen zwischen Forschung und Praxis («Brokers»), vice versa, sowie von Kooperationsformen zwischen Schule und Hochschule (Shavelson, 2020).
Schulentwicklung
Im Handlungsfeld Schulentwicklung geht es um evidenzorientierte Entwicklungs- und Innovationsprozesse auf Ebene Schule und System: Wie werden Ziele gesetzt, Massnahmen begründet, Implementationen begleitet und Wirkungen überprüft? Hier verbinden sich Forschung, Evaluation und professionelle Entwicklungsarbeit – z. B. in datenortientierten Schulentwicklungsprozessen oder in Kooperationen mit Bildungsverwaltung und Politik (swissuniversities, 2024).
- Austausch über Ansätze evidenzorientierter Schulentwicklung und Evaluation (z. B. Design-based research, Implementationsforschung, Wirkungsüberprüfung).
- Diskussion, wie Schulen eine Kultur der Nutzung von Evidenz (Daten- und Feedbackkultur) aufbauen können.
- Vernetzung mit Akteur:innen aus Schulleitung, Schulaufsicht, Bildungsverwaltung und Verbänden.
Abgrenzung und Kooperation
Die AG knüpft an thematisch verwandte SGL-Arbeitsgruppen an. In Abgrenzung zur AG «Forschung in der Lehre» (Fokus: wissenschaftliche Ausbildung und Qualifikationsarbeiten) adressieren wir besonders die evidenzorientierte Gestaltung und Weiterentwicklung von hochschulischer Lehre, Unterricht und Schule im Sinne eines breiten Transfer- und Qualitätsanspruchs. Kooperationen (z. B. gemeinsame Symposien, Forschungs- und Entwicklungsprojekte) sind ausdrücklich erwünscht.
Teilnahme und Treffen am SGBF–SGL-Jahreskongress 2026 (PHSG, St.Gallen)
Wir nehmen am gemeinsamen Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Bildungsforschung (SGBF) und der SGL an der PH St.Gallen teil und nutzen den Rahmen für ein AG-Treffen sowie den Austausch mit interessierten Kolleg:innen. Informationen zur Tagung:
Teilnahme an der Tagung Fachdidaktiken 2026 (PH Luzern)
Unter dem Motto «Evidenzorientierung in den Fachdidaktiken: aktuelle Erkenntnisse und Perspektiven» treffen sich Fachdidaktiker:innen und Bildungsforscher:innen in Luzern. Wir werden an der Tagung teilnehmen, Kontakte pflegen und den Dialog zwischen Evidenzorientierung und den Fachdidaktiken vertiefen. Informationen zur Tagung:
Regelmässige Forschungsupdates
Mehrmals pro Jahr führen wir kurze digitale Forschungsupdates durch. Mitglieder stellen laufende Projekte, Befunde oder methodische Zugänge vor (z. B. Wirksamkeitsprüfungen, Reviews, Implementations- und Transferstudien). Im Anschluss diskutieren wir Implikationen für Lehrpersonenbildung, Lehrberuf und Schulentwicklung.
- Format: 30–45 Minuten Input + Diskussion (online).
- Ziel: gegenseitige Vernetzung, kollegiales Feedback, gemeinsame Anschlussprojekte.
- Dokumentation: zentrale Erkenntnisse und Hinweise auf Publikationen/Materialien werden in der AG geteilt.
Geplante Outputs
- Sichtbarmachung von Projekten und Initiativen zur Evidenzorientierung in der Schweiz (Mapping/Portfolio).
- Beiträge zu Fachzeitschriften und Tagungen; punktuell Entwicklung von Transferformaten (z. B. Kurz-Reviews, Praxis-Impulse).
- Kooperationen mit anderen SGL-Arbeitsgruppen und thematisch verwandten Netzwerken.
Literatur
- Brovelli, D., Brühwiler, C., Sturm, A., Flick-Holtsch, D., Leutwyler, B., Moroni, S. & Weil, M. (2024). Editorial zur Evidenzorientierung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 42(3), 253–255.
- Brühwiler, C., Hollenstein, L., Kassis, W. & Pauli, C. (2024). Evidenzbasierung in der schweizerischen Lehrer:innenbildung: Bedeutung, Forschungsansätze, Desiderate. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 42(3), 256–271.
- Cramer, C. (2020). Kohärenz und Relationierung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. In C. Cramer, J. König, M. Rothland & S. Blömeke (Hrsg.), Handbuch Lehrerinnen- und Lehrerbildung (S. 269–279). Klinkhardt utb.
- Gräsel, C. (2020). Der Professionsbezug der Forschung zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung – ein Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 38(1), 67–78.
- Locher, F. (2024). Evidenzorientiertes Denken und Handeln im Lehrberuf: Vier spezifische Herausforderungen für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung an Hochschulen. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 42(3), 272–286.
- Shavelson, R. J. (2020). Research on teaching and the education of teachers: Brokering the gap. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 38(1), 37–53.
- swissuniversities, Kammer Pädagogische Hochschulen. (2024). Bericht zur Evidenzbasierung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Bern: swissuniversities.



